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Meine erste Woche (Freitag bis Sonntag)

Autor: RebekkaGaese | Datum: 22 September 2017, 21:20 | 0 Kommentare

(Ich entschuldige mich vorweg kurz, dass ich die erste Woche jetzt erst zu Ende bringen kann. Mir ist einiges dazwischengekommen, erkläre ich in einem anderen Blogeintrag.)

Freitag, 1. September 2017

Mein erster Gedanke, als ich morgens wach werde ist: „Oh man du lernst heute alle Lehrer kennen, und du kannst kein bisschen französisch sprechen geschweige denn, dass du was verstehst. Lächeln und winken ääääh Hände schütteln, Lächeln und schütteln…“! Mit dieser Nervosität brach ich nach dem Frühstück zur Schule auf. Mein Vorteil an dem Treffen war, dass ich nicht alle auf einmal kennenlernte. Zuallererst den Schulleiter der „EEC Ecole Maternelle et Primaire Mbouo“. Alle Menschen, die in der Hierarchie über einem stehen, sei es nun gesellschaftlich, religiös, kulturell, oder beruflich begrüßt man in dem man den Handrücken der linken Hand an den Ellenbogen des rechten Arms lehnt. Dies zeigt den Respekt vor der Person und die eigene Anerkennung seiner Stellung in der Gesellschaft. Ich habe entschieden alle Lehrer vorerst so zu begrüßen, da kann ich erstmal nichts mit falsch machen. Einige von ihnen, wie zum Beispiel Monsieur Eve, haben sich sehr darüber gefreut, mir aber schnell gezeigt, dass das bei ihnen nicht nötig ist, was sie für mich besonders sympathisch machte. Hauptsächlich warteten wir jedoch auf den Inspektor Monsieur Talla, welcher auf sich warten ließ. Nach eineinhalb Stunden, regte sich Madame Nono auch über seine Unpünktlichkeit auf.
Dieser lockere Einstieg in Veranstaltungen oder Treffen, ist tatsächlich überhaupt nicht mein Ding. In DE kann es gut vorkommen, dass ich zu einer Verabredung 10-15 Minuten zu spät komme, dies aber meist angekündigt. Hier jedoch ist es in den meisten Fällen davon abhängig, welchen Rang du in der Hierarchie besetzt, ob du zu spät kommen kannst oder nicht, genauso, wie es davon abhängt, wen du besuchst oder triffst. Monsieur Talla, als Ispektor der EEC Schulen im Umkreis, konnte sich scheinbar das Zuspätkommen leisten. In seiner Anwesenheit wurde ihm das nicht vorgehalten. Er war zwei Stunden „später“ als (von mir und Mdm Nono geplant) an der Schule.
Wir besprachen mit dem Direktor der EEC Mbouo, wo ich in den nächsten Wochen eingesetzt werden sollte und machten ab, dass ich in den ersten Wochen jeweils in Grundschule und Kindergarten reingucke und mich danach entscheide wo ich bleiben möchte. Dieser Plan gefiel mir sehr, denn im Vornherein hätte ich das nicht entscheiden können.
Also würde ich am Montag im Kindergarten anfangen und die Vorfreude stieg. Denn auch wenn die Woche frei gut zum Einstieg war, brauchte ich Beschäftigung und war einfach gespannt, wie meine Einsatzstelle so im Detail aussieht, vom Lehrpersonal bis Ausstattung.

Fritz und Ruben hatten, wegen eines islamischen Feiertags, den ganzen Tag frei und waren grade in Bafoussam zum Einkaufen als ich von der Besprechung wiederkam. Ich haute mich erstmal wieder in die Falle, da ich in der Nacht schlecht geschlafen hatte.
Später spielten wir noch Karten und kochten gemeinsam etwas.

 

Samstag, 2. September 2017

Ich hatte den Plan auszuschlafen, was bis 8:00 Uhr bestens funktionierte. Ausschlafen beschränkt sich neuerdings auf auch 8:00 Uhr, länger schlafen funktioniert nicht mehr. Bin ich krank?! (Nicht so lustig wenn man wüsste, dass ich das in der nächsten Woche leider werde.) Sonst konnte ich immer ohne Probleme bis 11:00 Uhr durchschlafen. Die Ruhe dafür hatte ich jetzt aber nicht mehr. Also allen Mut zusammengenommen und ab unter die Dusche. Puh, sch**** kalt, aber nun gut, jetzt war ich auf jeden Fall hellwach. Meine Haare zu einem Etwas zusammengebunden, traf ich die Jungs zum Frühstück. Falls sich einer fragt, wie das bei uns so aussieht: Wasser, Baguette mit Konfitüre, Eier (die Jungs haben 30 Eier auf dem Markt gestern in Bafoussam gekauft) et voilà.
Ehrlich gesagt, war das ein ziemlich entspannter Tag, denn produktiv waren wir nicht grade. Das einzig Wichtige an diesem Tag war: halbwegs vorzeigbar auf der Geburtstagsparty der Frau des Direktors des CPF aufzutauchen. Weit hatten wir es nicht, da er praktischerweise auf dem Gelände einer unserer Nachbarn ist. Die Jungs trugen Hemd und Jeans und ich eine helle Hose, welche ihren Bund in der Taille hatte. Ich fühlte mich echt hübsch bis ich ein Bild von mir fertig angezogen, nachhause verschickte, um anzukündigen, dass ich auf meiner ersten Geburtstagsparty eingeladen worden war. „Ist das eine Jogginghose?!“ kam zurück… ÄHM NEIN! Gutes Gefühl aus, Komplexe an… Ich lief also, ‚typisch Frau‘ , rüber zu Ruben, ihn zu fragen ob meine fabelhafte Hose tatsächlich so aussehe, wie eine Jogginghose. Clever, wie er ist, verneinte er natürlich. Das konnte ich ihm jetzt leider nicht mehr glauben. Ich darf hier aber stolz berichten (auch um meiner Mutti zu beruhigen, die sich zuhause schon immer über meine ständigen Outfitwechsel ärgert): die Hose blieb an.
Ich bin ein bisschen vom Thema abgewichen, aber mit einem Grund. Meine helle Hose ist nämlich auf dem betont KURZEN Weg zum Direktor, schön dreckig geworden, dank des Wolkengusses der unsere Ankunft auch um eine halbe Stunde nach hinten verschob. Wir dachten wir warten den Regen grade ab, jedoch sollte es den ganzen Abend noch regnen. Deshalb war es eine gute Idee nach 30 Minuten Verspätung doch einzutreffen. Jedoch bitte nicht falsch verstehen: wir waren die Ersten die von „Außerhalb“ eintrafen. Klischee hin oder her, aber der Einstieg zu manchen Veranstaltungen steht zwar zeitlich fest aber er wird offener aufgefasst, als ich das von Zuhause kenne (wie ja auch schon Freitag beschrieben).

Auf der Party angekommen begrüßten wir zuerst den Direktor und seine Frau und gratulierten. Die Jungs hatten deutsche Süßigkeiten als Geschenk mitgebracht. Uns wurde direkt etwas Zutrinken angeboten und wir nahmen zunächst Platz. Einige Gäste kamen nach uns, einige vom CPF die teilweise schon kennengelernt hatten. Anfangs verlief alles so gewöhnlich, wie man das Zuhause auch erwartet: Getränke, Gespräche und nebenan wurde ein Buffet aufgestellt.
Neu für mich war, dass der Pfarrer der Gemeinde für eine Predigt dazu gebeten wurde und ein kleiner Dankesgottesdienst abgehalten wurde, zu Ehren des Geburtstagskindes und ihres Ehemannes. Einige Lieder wurden gesungen, das Vaterunser aufgesagt und gebetet. Ich fand die Besinnung auf den Anlass des Treffens, verbunden mit dem Gottesglauben ziemlich schön. Leider verstand ich nichts von der Predigt, da der Pfarrer sehr schnell und enthusiastisch sprach. Irgendwie schade, aber Bruchteile habe ich verstanden. Überrascht hat mich zum Beispiel, dass er von der Menschheit sprach, die nur noch am Handy säße und dadurch die wahren Geschehnisse verpassen würde, dass das was unmittelbar vor ihren Augen passiere nicht mehr aufgenommen werde.
Nach der Predigt gab es reichlich essen. Am Buffet zuerst der Pfarrer und Pfarrerin, dann der Direktor und dann das Geburtstagkind.
Ich entschied mich für Kochbananen, etwas Blattspinatähnliches, Brot und den Gemüsereis.
Jedoch war ich mir nicht ganz sicher, ob es unhöflich ist, sich nochmal nachzuholen. Nachdem es mir dann angeboten wurde, holte ich mir noch einen Nachschlag.
Der Abend wurde mit tanzen und Musik verbracht. Als Fritz endlich von der Enkelin des Direktors zum Tanzen aufgefordert wurde(den Blick hätte ich fotografieren sollen! Oh warte, habe ich auch!), war das Eis endgültig gebrochen. Es wurde noch bis 21:30 Uhr getanzt bis nur noch die Familie und wir Freiwilligen übrig blieben. Wir verabschiedeten uns und bedankten und für den Abend.
Nach einer kurzen Runde Karten zuhause, wollten die Jungs schnell ins Bett, da der Gottesdienst am Sonntag früh beginnt.

 

Sonntag, 3. September 2017

Ich stand um 8:00 Uhr auf, um mich für den Gottesdienst fertig zu machen. Passend zu meinem Ring wurde eine Kette angelegt und die Haare gerichtet. Ich trug eine schickere Hose und eines meiner feineren T-Shirts mit einem Tuch. Mein üblicher Jutebeutel wurde gegen eine Handtasche ausgetauscht und meine Ballerinas noch einmal übergeputzt.
Noch schnell gefrühstückt und dann zu Jean-Pierre rüber gehuscht. Wir fuhren mit Hillary, Patrice, Daniela (die drei Kinder von Jean-Pierre) nach Bafoussam.
Ich war sehr gespannt, wie ein Gottesdienst (katholisch) hier abläuft und das Kirchengebäude hat mich beeindruckt.
Breite Bänke mit unglaublich vielen Sitzplätzen, und über dem Altar ein großes buntes Fenster, wodurch die Sonne schien. Sie war generell sehr hell eingerichtet und unglaublich hoch!
Ich werde versuchen von der Kirche ein paar Fotos hochzuladen.
Der Gottesdienst ging 2,5 Std, wurde mir aber nicht langweilig. Es gab viel zusehen. Unglaublich viele verschiedene Kleider, traditionelle Anzüge und Kopfschmuck. Jeder Platz war besetzt und zwar nicht mit dem Durchschnittskirchengänger Deutschlands, der so um die 70 ist und nicht mitsingt, sondern größtenteils Familien mit Kindern. Die Alterspanne reichte vom Säugling bis zum Greis, was ich sehr beeindruckend und einfach unheimlich schön fand.
Mittlerweile beschleicht mich in Deutschland nämlich die Angst, dass unser Glaube und vor allem der Gottesdienst die Generationen aufspaltet und eine riesige Lücke fabriziert, in die irgendwann die fallen, die sich vom Glauben abwenden. Und dass, da die Kirche mit ihren Angeboten und Gottesdiensten sie nicht mehr anspricht. Dies liegt für mich zweifelsfrei an der Art, wie der Gottesdienst gestaltet wird und welcher Anspruch von den verschiedenen Generationen daran gestellt wird.
In Bafoussam wirkte es so leicht, die Generationen zusammen zu bringen. Die Musik war fröhlicher, und wurde von einem Gospelchor mit starken Stimmen angeleitet. Jeder sang so wie er konnte, Gesangbücher waren nicht nötig, die Texte waren drin. Niemand störte sich an den Kindern, die in den vordersten Reihen am rumwuseln waren oder an dem Geplärr, des ein oder anderen Babys.
Die Gemeinschaft als Einheit wurde in der Predigt immer wieder betont. Der Segen wurde an zwei Fürbittenhelfer weitergegeben, welche dann an den Reihen vorbeigingen und den Segen weitergaben. Um diesen daraufhin an den Nachbarn weiterzugeben, wurde sich die Hand geschüttelt und sich danach bekreuzigt. Dann hielten wir uns durch alle Reihen die Hände und empfingen ein weiteres Mal den Segen des Pfarrers vorne an der Kanzel.
Mein Resümee des Gottesdienstes ist sehr positiv. Ich habe mich sofort aufgenommen gefühlt. Natürlich bin ich aufgefallen, aber das tue ich sowieso an vielen Orten durch meine Haut- und Haarfarbe. Das Gemeinschaftsgefühl war wirklich bewundernswert und ich war erfüllt von Musik, als ich die Kirche verließ.
Leider werde ich es nicht immer sonntags nach Bafoussam fahren können, da Jean-Pierre dort nicht jedes Mal zum Gottesdienst hinfährt und Taxen sonntags kaum fahren.

Als ich zuhause war, habe ich sehr lange auf Fritz und Ruben gewartet. Fritz kam um ungefähr um 13:30 Uhr wieder und fiel direkt nach seiner Ankunft in ein Koma, von dem er erst in der Nacht wieder aufwachte. Er war mit einem des CPFs in mehreren Gottesdiensten gewesen, die danach in einem feuchtfröhlichen Treffen mündeten.
Ruben wurde nach mehreren Gottesdiensten noch zum Essen eingeladen, weshalb auch er erst am Nachmittag wieder da war.
Ich arbeitete den Rest des Tages an den Blogeinträgen und entspannte mich noch ein bisschen. Ich war aufgeregt da am nächsten Tag meine erste Arbeitswoche anfing.

Die werde ich im Anschluss zusammenfassen. Ich hoffe ich bekomme die zeitig hochgeladen.
Leider hänge ich mit meinen Blogeinträgen durch Krankheit hinterher.
Ich bemühe mich das jetzt aufzuholen. 

Somit wäre die erste Woche erstmal beschrieben, obwohl es sicher noch viele weitere Eindrücke gibt, die ich noch nicht niedergeschrieben habe.
Ich hoffe das lesen meiner Einträge macht euch Spaß und ihr schaut immer mal wieder rein.
Bis bald, Rebekka

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